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Foto von protestierenden der GWTUC

Worum geht’s hier?

In Dhaka (Bangladesch) gehen zur Zeit etwa 6.000 – größtenteils gewerkschaftlich organisierte – Textilarbeiter*innen der so genannten “Dragon Sweater Fabrik” auf die Straße. Sie wurden unter dem Deckmantel der
Coronakrise fristlos entlassen. Gleichzeitig werden ihnen ausstehende Löhne, Entschädigungs- und Bonuszahlungen verwehrt.

Dragon Sweater liefert Textilien an Händler wie LIDL, NewYorker und Walmart.

Die Arbeiter*innen vor Ort geben nicht auf. Unterstützen wir sie auch hier, indem wir Druck auf die Händler*innen aufbauen und für unsere gemeinsamen Interessen kämpfen.

 

Was bisher geschah…

 

1994:

Dragon Sweater and Spinning Limited wird als Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Bangladesch eingetragen. Viele der Arbeiter*innen, die jetzt entlassen wurden, haben zu dem Zeitpunkt auch dort angefangen zu arbeiten.

2012:

Dragon Sweater (Dragon Group) wird zu einer Aktiengesellschaft.

Februar/ März 2020:

Die CoViD-19 Pademie wird vom Dragon Group Management als Vorwand genutzt, um einen Großteil der Belegschaft (etwa 6.000 Arbeiter*innen) zu entlassen. Löhne und Bonuszahlungen (von denen Viele abhängig sind) werden unterschlagen.
Anmerkung: Ein Großteil der Belegschaft ist zu diesem Zeitpunkt in der kämpferischen Gewerkschaft Garment Workers’ Trade Union Center (GWTUC) organisiert. Es liegt der Verdacht nahe, dass die Pandemie als Gelegenheit gesehen wurde, die Arbeiter*innen loszuwerden, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpften. Stichwort: Union Busting.

März 2020:

Die Arbeiter*innen von Dragon Sweater beginnen mit Protesten in der Fabrik in Malibag (einem Viertel in Dhaka) und vor dem National Press Club.

Juni 2020:

Die Textilarbeiter*innen blockieren das Arbeitsministerium und tragen ihren Protest gemeinsam mit Arbeiter*innen weiterer Fabriken, welche ebenfalls für die Auszahlung ihrer Löhne kämpfen, zum Büro des Premierministers.

Juni 2020:

Das Dragon Sweater Management bemerkt die internationale Vernetzung und nimmt Kontakt mit der Internationalen Konföderation der Arbeiter*innen (IKA) sowie der Global May Day Plattform auf, um das eigene Vorgehen zu rechtfertigen und die Gewerkschaft vor Ort zu diffamieren. Die IKA und GWTUC reagieren und verfassen Antworten. Der Schriftverkehr wurde veröffentlicht.

Juni/ Juli 2020:

Unter anderem die FAU (Freie Arbeiter*innen Union) in Hamburg und Freiburg sowie die IWW (Industrial Workers of the World) in Bristol und Hamburg halten Kundgebungen vor Klamottenketten ab, um den Forderungen der Arbeiter*innen von Dragon Sweater Nachdruck zu verleihen. Auch in Dhaka gehen die Lohnabhängingen der Fabrik erneut auf die Straßen.

Juli 2020:

New Yorker kontaktiert die FAU Hamburg und die GWTUC um mitzuteilen, dass sie unter diesen Umständen die Dragon Group auf eine „schwarze Liste“ setzen und somit ihnen keine weiteren Aufträge erteilen werden. Wir warten jedoch weiterhin auf eine öffentliche Erklärung von New Yorker! So lange diese nicht erfolgt, richtet sich der Protest auch weiterhin gegen New Yorker. Weder von Lidl noch von Walmart kam (bisher) eine sachgemäße Rückmeldung.

Juli 2020:

Die Basisgewerkschaft FOB (Brasilien) schließt sich der Bewegung an.
Die IKA Arbeitsgruppe Asien zusammen mit der GWTUC sowie der IWW Irland beschließen zu einem Weltweiten Monat der Solidarität mit den Arbeiter*innen bei Dragon Sweater aufzurufen – #UnitedAgainstTheDragon ist geboren.

August 2020:

Der internationale Druck zeigt Wirkung. Arbeiter*innen, Fabrikbesitzer sowie Vertreter*innen der Regierung verhandeln über Lösungen. Die Eigentümer verweigern jedoch weiterhin die Auszahlung der ihnen zustehenden Gelder. Außerdem steht die Drohung im Raum, die Fabrik in eine andere Stadt zu verlagern.

Oktober 2020

Der Fabrikbesitzer und die Textilarbeiter*innen unterzeichnen eine Vereinbarung. In dieser wird festgehalten, dass an bestimmten Stichtagen insgesamt etwa 50 Prozent der ausstehenden Gelder ausgezahlt werden.

November 2020:

Am 07.11. verstreicht der 1. Stichtag ohne das Gleder fließen. Der Arbeitskampf wird wieder aufgenommen
Am 15.11. wird der Fabrikbesitzer bei einem Besuch im Arbeitsministerium für über 3 Stunden von den Demonstrierenden daran gehindert, das Gebäudes zu verlassen
Am 16.11. wird eine Spendenkampagne gestartet. Die GWTUC unterstützt etwa 300 Arbeiter*innen mit regelmäßigenEssensrationen sowie rudimentärer medizinischer Versorgung. www.gofundme.com/gwtucsolidarity
Am 27.11. findet ein internationaler Aktionstag in Solidarität mit den Textilarbeiter*innen statt, initiiert von der FAU und IWW Hamburg sowie der Gruppe In Progress Braunschweig, der GWTUC und IKA Arbeitsgruppe Asien.

Was haben wir mit den Leuten in Bangladesch zu tun?

Als Konsument*innen sind wir ein wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette. Diese beginnt mit der Ernte auf den Baumwollfeldern, geht in den Spinnereien, Nähereien und Färbereien weiter und endet nach umfangreicher Logistik in unserem Kleiderschrank. Der größte Gewinn wird hier gemacht – wo die ganzen Sachen verkauft werden. Somit haben wir auch Möglichkeiten, Druck aufzubauen, um die Textilarbeiter*innen bei Dragon Sweater zu unterstützen.
Das kapitalistische System wirkt weltweit. Und so gibt es auch überall Ausbeutungsverhältnisse. Klar, die Bedingungen und Lebensstandards sind sehr unterschiedlich, aber wir alle müssen uns dem Arbeitsmarkt anbieten und unsere Zeit und Energie zur Verfügung stellen, allein, um unsere Grundbedürfnisse zu erfüllen. D.h., um ein Dach über dem Kopf zu haben, unseren Kindern Essen zu kaufen oder einfach zur Ärztin gehen zu können. Auch wenn hier viele von uns im Zweifelsfall von einem sozialen Netz aufgefangen werden, gilt das nur für diejenigen, die sich gewissen Spielregeln unterwerfen. Am Ende sitzen wir so alle in einem Boot, egal ob in Hamburg oder Dhaka.
Und wenn wir uns gemeinsam weigern das Spiel mitzuspielen, können wir die Spielregeln ändern. Lassen wir uns nicht spalten! One World – One Struggle!
Der Monat der Solidarität mit den Arbeiter*innen bei Dragon Sweater geht vom 15.08. bis zum 15.09.2020. Er wird weltweit koordiniert. In vielen Regionen der Welt finden Aktionen vor Filialen von Lidl, New Yorker und Walmart statt. Hier könnt ihr sehen, was alles so passiert:

www.globalmayday.net